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Tafel 11 - Gerbereien

 

Das Uedemer Lohfeld                                                                                           

Schon sehr früh fand der Uedemer Loowald (Loo = Wald ), später Lohwald auf den Uedemer Anhöhen, Erwähnung. Graf Johann übertrug 1359 der Stadt Uedem 48 holländische Morgen des ehemaligen Ketelwaldgebietes/Reichswaldes. Dieser erstreckte sich von Nimwegen bis zum Rhein bei Xanten. In Uedem soll er bereits in fränkischer Zeit gerodet worden sein. Mitte des 13. Jahrhundert wurde ein Rodungsverbot erlassen. Den Uedemer Stadtbauern diente dieses Areal als Weide- und Ackerland. Die Schreibweise und Bedeutung änderte sich in der Französischen Zeit (1794-1814), aus Loo bzw. Loe wurde Loh. Die Uedemer Bezeichnungen „Looport“ (Lohtor), Lohstraße, Lohfeldstraße, Lohberg, Am Lohstück und In der Loh erinnern an dieses Areal.                                

Das Gerberwesen

Als nach 1686 der Gildebrief u.a. der Schuhmacher, Hammacher und Lohrer erneuert wurde, besaßen die Gerber noch keine übergeordnete Bedeutung.

Sie benötigten zur Lohe (gerbstoffreiches Pflanzenmaterial) Eichenrinde von jungen Stockausschlägen im Niederwald, auch Rinden von Fichten, Weiden und Birken. Restbestände des Loh- bzw. Ketelwaldes sowie anderer Waldungen dienten der Lohgewinnung und brachten den „ Erntern“ einen kleinen Nebenverdienst. Um sich vor Verletzungen zu schützen, trugen die Gerber Lederschürzen, Handschuhe und eine Kopfbedeckung. Daher nannte man die Uedemer Gerber auch „Lojer“ - die braunen Gestalten. Erst mit dem Aufkommen der Schuhproduktion in Uedem entstanden zahlreiche kleinere Gerberbetriebe. Waren es 1849 noch zwei, zählte man 1858 bereits sieben Gerberfamilien. Äußerlich waren die Gerbereien an ihren hohen Stellagen zu erkennen, auf denen sich die zum Trocknen aufgestapelten Lohkuchen - ausgepresste ausgelaugte Lohe – befanden. Diese Lohkuchen, kurz Torf genannt, waren ein begehrtes Heizmaterial. Gerbereien befanden sich u.a. an der Mühlen-, Neu- und Viehstraße, sowie zwischen Nordwall und Gerberweg.

Der Gerbprozess vollzog sich in großen zylinderförmigen, mit Lehm abgedichteten und mit Eichenbohlen ausgekleideten Gruben, die man mit Wasser, gemahlener Eichenrinde und Alaun füllte. In dieser Gerberlohe wurden rohe Tierhäute aufgeschichtet. Die Lohe entzog den eingeschichteten Tierhäuten Eiweiß und Leim. Nach mehrfacher Umlagerung in frische Gerberlohe – ein Prozess der bis zu zwei Jahre dauern konnte - kamen die Gerbhäute auf den Schabbaum, wo Arbeiter in braunen, speckigen Anzügen mit gebogenen Messern oder stumpfen Schabeisen die Häute von Fett und Haarresten befreiten. Nachdem die Walzen Unebenheiten beseitigt hatten, war das Leder fertig. Die Umwelt litt am Geruch von Fäulnis und Verwesung sowie am unerträglich lauten Lärm der Walkmühlen, wo man mit Hämmern das Leder geschmeidig machte. Die stinkende Lohbrühe leitete man teilweise in den Lohgraben ab. Schließlich wurden die Felle auf den luftigen Söllern der Werkshallen zum Trocknen aufgehängt.

Das Ende der Gerbereien

Nach 1900 verschwanden die Lohgerbereien - und damit die "Lojergestalten" - aus dem Uedemer Stadtbild. Die Gerberei Paeßens war die letzte in Uedem. Großunternehmen übernahmen die Arbeit, der Gerbprozess wurde verkürzt. 1934 zählte man nur noch zwei Lederhandelsagenturen in Uedem.

Bronzefigur „Gerber“

An die einstige Bedeutung des Gerberwesens erinnert heute eine von Wolfgang Frische im Jahr 1988 nahe dem ehemaligen Lohtor erstellte Bronzefigur eines Gerbers bei der Arbeit.

Das Lohtor

Das 1359 als porta dicta Loeporte erwähnte Lohtor wurde 1766/67 komplett abgerissen. Analog zu den anderen Toren handelte es sich um einen wuchtigen Torturm mit einem Vorwerk (Torzwinger), dessen äußeres Tor durch zwei Rundtürme oder Runderker bewehrt wurde. 

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