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Tafel 14 - Schuhherstellung

 

Seit dem 14. Jahrhundert entwickelten sich auch in Uedem Gewerbe und Handwerke, die für den örtlichen Bedarf arbeiteten. Nach dem Stadtbrand von 1685 erhielten die Schmiede, Schneider und Schuhmacher einen neuen Amtsbrief. Danach prüfte die Zunft die Kenntnisse und Fertigkeiten der Mitglieder, sicherte sie sozial ab und regelte Arbeitszeiten, Preise und Rohstoffbezug. Unter den 818 Einwohnern, die man 1765 in Uedem zählte, waren 23 heimarbeitende Schuhmacher. Sie fertigten u.a. Pantoffeln, die sogenannten "Schluffen", an, die sie in Kiepen verpackt vor Ort und auf den umliegenden Märkten verkauften. Als in der Französischen Zeit (1794 - 1814) der Zunftzwang beseitigt wurde, produzierten sie für das Militär und später für den Bergbau. Meister oder Kaufleute übergaben im Verlagssystem den Heimwerkern, die in kleinen Wohnraumstuben und Werkstätten arbeiteten, Rohstoffe und Teilprodukte zur Fertigstellung und verkauften dann die Erzeugnisse. Diese frühe Unternehmensform erlosch im 19. Jahrhundert. Größere Werkstätten bildeten sich, die Reformen der preußischen Wirtschaftspolitik steigerten die einheimische Produktion und den Handel.

Industrielle Revolution, Erster und Zweiter Weltkrieg

1858 arbeiteten 51 Schuhmacher als Heimarbeiter. Die industrielle Revolution erfasste nach 1860 auch Uedems Schuhproduktion, zuliefernde Gerbereien entwickelten sich. Die 1878 geschaffene Bahnanbindung Boxtel - Wesel ermöglichte den Fabrikanten neue Handelsbeziehungen und Absatzwege. Maschinen, Stanzen und Steppmaschinen lösten die Handarbeit ab. 1885 ist die erste Schuhfabrik in Uedem bezeugt. Mit Gasmotor und entsprechender Transmission, ab 1912 mit Elektrizität, wurde die Schuhproduktion optimiert. Bis 1914 kamen neun weitere Schuhfabriken dazu. Hauptprodukt waren Arbeitsschuhe für die "Kumpel" des nahen Ruhrgebietes, die beiden Weltkriege erforderten Soldatenstiefel und Schuhwerk in großen Mengen. Nach 1924 verlangte die Schwerindustrie an Rhein und Ruhr nach Arbeitsschuhen für verschiedenste Gewerke. 1928 arbeiteten neben den Fabriken etwa 50 Mittel-, Klein- und Kleinstbetriebe in Uedem. Erst die Evakuierung und Kriegszerstörung im Februar 1945 brachte die Schuhproduktion zum Erliegen.

Wiederaufbau und Gegenwart

Ab 1946 waren Sicherheitsschuhe in der Montanindustrie gefragt. Einige Betriebe produzierten auch eleganteres Straßenschuhwerk, Sportschuhe und Reitstiefel sowie Schuhwerk für das Militär. Die "Uemse Schüsterkes" erlangten Bekanntheit weit über die Gemeindegrenze hinaus, weshalb die Uedemer Schuhindustrie 1962 insgesamt über 500 Beschäftigte zählte. Aber die internationale Konkurrenz sowie die Verteuerung des Produktionsstandortes Deutschland trugen dazu bei, dass bis heute alle Schuhfabriken bis auf eine sehr bekannte und international agierende Firma für Sicherheitsschuhe geschlossen wurden.

St. Crispinusverein Uedem und Ausstellung

Der kirchliche St. Crispinusverein, benannt nach dem heiligen Crispinus, dem Patron der Schuhmacher, wurde 1863 aus Fürsorge für die Schuhmacher ins Leben gerufen. Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums 1963 ließ der Verein zum Gedenken an die Uedemer Schuhmacher und ihre wirtschaftliche Bedeutung das "Schüsterken“ - Denkmal am kleinen Park in der Lohstraßenkurve nach dem Entwurf des Klever Künstlers Matthäi errichten. Die Steintafel des Denkmals trägt die Inschrift "gepennt, genäjt on ömgedräjt" – „(mit Holzstiften) genagelt, genäht und umgedreht“.

In der Hohen Mühle hat der Heimat- und Verkehrsverein eine Dauerausstellung zur Schuhherstellung eingerichtet.

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