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Tafel 5 - Stadtbrände

 

Die Stadt Uedem fiel innerhalb von rund 200 Jahren gleich drei verheerenden Bränden zum Opfer: 1618, 1685 und 1796.

Brandursache waren oft Funkenflug von Kaminfeuern oder freien Feuern und Blitzschlag. Wie auch andernorts begünstigten Fachwerkhäuser, Schuppen, Ställe, Scheunen und strohgedeckte Dächer das rasche Ausbreiten der Flammen, während die dichte Bebauung und zu enge Durchgänge oft die Löscharbeiten behinderten.

Zur effizienten Brandbekämpfung hatte man die Stadt im 18. Jahrhundert unter vier Brandmeistern aufgeteilt. Der Magistrat nahm halbjährliche Brandschauen vor, die jedoch wenig Wirkung zeigten. Außerdem musste jeder Neubürger einen neuen Ledereimer – das damalige Hauptlöschgerät - im Rathaus abliefern. Bei Feuer schöpfte man das Löschwasser aus den städtischen Brunnen oder Stadtgräben und beförderte es in langen Menschenketten zur Brandstelle. Die städtischen Spritzen erwiesen sich aufgrund der handbetriebenen Pumpen oft als zu leistungsschwach.

Mangels überlieferter Schriftquellen ist über den verheerenden Brand von 1618 kaum etwas bekannt. 

Der große Brand von 1685

Am 18. April 1685 brannte Uedem in nur zwei Stunden fast vollkommen nieder. Verschont blieben lediglich die beiden Steinhäuser des Adelssitzes Egeren und des Uedemer Richters an der Stadtmauer, nahe dem Mostertor. Brandverursacher war die Magd des Gerrit Brüx in der Mosterstraße, die heiße Asche auf den Söller trug und dadurch das Haus in Flammen setzte. Durch starken Wind breitete sich die Feuersbrunst so rasant aus, dass 18 Menschen ums Leben kamen. Bilanz des Brands: 140 verbrannte Häuser, darunter das Rathaus mit Archiv; Kirchen und Klöster, Ställe und Scheunen, Brunnen und Pumpen zerstört; die Stadtbewohner hatten keine Vorräte mehr, keine Arbeitsgeräte, kaum Kleidung, kaum Mobiliar. Die Menschen standen unverhofft vor dem Nichts, die Stadt hatte ihre gesamte Infrastruktur eingebüßt: Dennoch bewältigten die Uedemer mit Unterstützung der Regierung in Kleve den Wiederaufbau in wenigen Jahren.

Der Brand von 1796

Auf den Tag genau 111 Jahre später, am 18. April 1796, brach wiederum ein gewaltiges Feuer in Uedem aus, das diesmal ein Drittel aller Häuser und Scheunen vernichtete. Wieder verursachte eine Magd den Brand, diesmal jedoch mit Absicht, indem sie ein Feuer in der Scheune des Bernhard Ingen Werth an der Mühlenstraße legte. Erneut griffen die Flammen bei sehr trockener Witterung und starkem Wind so rasch um sich, so dass in wenigen Stunden zwischen der katholischen und reformierten Kirche und dem Augustinerinnenkloster St. Agatha an der Loh- und Mühlenstraße insgesamt 89 Gebäude zerstört wurden. Aus den benachbarten Orten und von Haus Kalbeck eilten Helfer mit Brandspritzen herbei und verhinderten so das Übergreifen des Feuers auf weitere Stadtteile. Der Brandschaden betrug beachtliche 80.000 Reichstaler.

Die Brandopfer wurden von Verwandten unterstützt und erhielten auch finanzielle Zuweisungen durch die im 18. Jahrhundert eingeführte Feuerversicherung sowie durch Spendensammlungen der preußischen Regierung. Bis 1798 gelang mit Unterstützung der französischen Besatzungsregierung der Wiederaufbau der Häuser.

Landesherrliche Gebäude und katholisches Pastorat

Der Graf von Kleve soll in Ecklage der Stadtbefestigung ein landesherrliches Gebäude errichtet haben, wo der Sitz des Schlüters, des Verwalters der landesherrlichen Hofgüter, lag. An dieser Stelle erbaute man im 18. Jahrhundert das stattliche Haus des königlichen Rentmeisters. Von 1870 bis 1945 befand sich hier das katholische Pastorat, das in der Nachkriegszeit abgerissen wurde.

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