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Tafel 7a - Stadtmauer

2016 rekonstruierte die Gemeinde ein Teilstück

Seit dem 14. Jahrhundert besaß Uedem Stadtrechte, die 1798 in der Französischen Zeit verloren gingen und die der Ort seitdem nicht wieder erlangte. Äusseres Zeichen der mittelalterlichen Stadt war die Befestigung mit Wall, Graben und vor allem mit einer mehrere Meter hohen Mauer. Die Befestigung schützte nicht nur die Siedlung, sondern definierte auch einen eigenen Rechtsbezirk.     

Die Umwehrung wurde seit Ende des 18. Jahrhunderts schrittweise abgebaut, weil sie nicht mehr benötigt wurde und das Wachstum des Ortes behinderte. Letzte Reste wurden in den 1980er Jahren vollständig niedergerissen.

 

Anlass

In Erinnerung an die erste urkundliche Erwähnung von Siedlung und Gemarkung Uedem am 5. Oktober 866 („Odeheimero marca“) feierte die Gemeinde im Jahr 2016 mit vielbeachteten Veranstaltungen das Jubiläum „1150 Jahre Uedem“. Besonders hervorheben wollte sie dabei ihre städtische Vergangenheit.

Nachdem der Verlauf der historischen Stadtmauer durch eine archäologische Grabung ermittelt wurde, rekonstruierte man ein Teilstück nach dem Entwurf des Architekten Dr. Klaus Völling/Goch.   

 

Archäologische Grabung

Nach Recherchen des Gemeindearchivars Franz-Josef Hetjens über den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer führte Jens Wroblewski von der Archäologie und Burgenforschung Niederrhein im April und Mai 2015 zwei Suchschnitte durch, wobei ein größeres Teilstück der spätmittelalterlichen Stadtmauer mit Vorlagen für Strebepfeiler zum Vorschein kam. Die Fundamente entdeckte man bereits ab einer Tiefe von 30 cm. Sie gehen auf einen Erstellungszeitraum im Laufe des 14. Jahrhunderts zurück. Dies ließ sich anhand der Backsteinformate feststellen, die für diese Zeit typisch sind.

 

Moderner Denkmalschutz

Grabung und Rekonstruktion wurden von Martin Vollmer-König, Leiter der Abteilung Denkmalschutz beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn, maßgeblich begleitet. Moderner Denkmalschutz versucht nicht, historische Bausubstanz zu imitieren. Vielmehr soll mit modernen Mitteln ein Eindruck verschafft werden, wie die Mauer sich in ihren Dimensionen darstellte.

Lage und Breite konnten anhand der vorhandenen alten Fundamente genau verortet werden. Da die tatsächliche Höhe nicht bekannt ist, orientierte man sich an noch intakten Stadtmauern, die typisch für den Niederrhein sind, beispielsweise in Zons oder Orsoy.

 

Darstellungsform

Über den alten Fundamenten setzte man ein Fragment (1 Meter breit, 12 Meter lang und abgetreppt bis 3,20 Meter hoch)   

Sichtbar ist demnach ein Mauerstumpf, der in Materialität und Dimension andeutet, wie das historische Vorbild ausgesehen haben könnte.

Die alten Feldbrandziegel zeigen, welches Material im Mittelalter zur Verfügung stand.

Die Höhe der Mauer wird durch eine moderne verzinkte Stahlkonstruktion als „Luftvolumen“ beschrieben. Mittelalterliche Stadtmauern waren mindestens mannshoch, oft deutlich höher. Die Uedemer Mauer wird vermutlich mindestens vier Meter hoch gewesen sein.

Aus statischen Gründen waren Stadtmauern in Abschnitte unterteilt. Dabei wurde die Mauer in regelmäßigen Abständen mit sogenannten Strebepfeilern, dreiecksförmigen Wandvorlagen, versehen, die meist auf der Feldseite Stabilität gaben.

In der modernen Interpretation sind die Strebepfeiler aus Cortenstahl, welcher nur oberflächlich Rost ansetzt, ohne jedoch weiter zu rosten.  Außerdem hat er  eine ähnliche Farbigkeit wie die Feldbrandziegel. Seine rauhe Oberfläche unterstützt diesen Eindruck.

Zu beiden Seiten des Mauerstumpfes führt die Pflasterung im Boden den Verlauf der Mauer noch einige Meter als zweidimensionale Linie weiter.

Der ursprünglich 15 Meter breite Wassergrabenzone  ist nur noch angedeutet sichtbar in Form der Rasenfläche, die vom Turmwall abfällt.   

 

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