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Tafel 8 - Kloster St. Spiritus

 

Auf einer Stadtansicht von 1744 ist das Augustiner-Chorherrenkloster St. Spiritus als ein Gebäude mit zwei niedrigen, ins Achteck übergehenden Glockentürmen zwischen Vieh- und Augustinerstraße zu erkennen.

Der gebürtige Uedemer Heinrich Raescop war nach Studium in Paris mit Doktorabschluss und Karriere als hoher Kanzleibeamter bei der römischen Kurie im Jahr 1439 zum Propst und Archidiakon an der Marienkirche in Utrecht aufgestiegen. Er wurde als ein Ratgeber Kaiser Sigismunds, Friedrichs III und Herzog Adolf I von Kleve bestellt. Um 1440 wandelte er sein Elternhaus an der Viehstraße zunächst in eine karitative Stiftung - ein Wohnheim für Invalide und Waisenkinder - um.  Es entstand das „Hospital St. Spiritus“. Mit Erlaubnis des Papstes ließ er an dieses Heilig-Geist-Spital eine Kapelle anbauen. 1446 erweiterte er seine Stiftung und gründete die erste Uedemer Lateinschule, ein Internat für Schüler.

Als es mit der Stiftung nicht gut lief, wandte sich Raescop an den berühmten Kirchenrechtler und päpstlichen Kardinallegaten Nikolaus von Kues (1401-1464) mit der Bitte um eine Klostergründung, der dieser auch entsprach. Die Uedemer Augustiner-Chorherren waren Anhänger der religiösen Reformbewegung der „Devotio moderna“ und gehörten ab 1456 der Windesheimer Kongregation an. Sie förderten praktische Frömmigkeit, tätige Nächstenliebe und die Lektüre der Bibel.

Übersiedlung nach Kloster Gnadenthal und Rückkehr

Nur wenige Jahre später bat der Konvent um Verlegung aus Uedem, das unter dem Krieg zwischen den Herzogtümern Kleve und Geldern schwer litt. Die Brüder beklagten aber nicht nur die schlimme Armut, sondern auch die Verrohung der Bewohner, die den Konvent verhöhnten, in die Klausur einbrachen und Feldfrüchte stahlen. Daher wurde der Konvent 1468 auf den Hof Ganswick bei Donsbrüggen verlegt. Um 1481 waren dort Klostergebäude und Kirche neu errichtet. Das Kloster erhielt den Namen Gnadenthal.

Die in Uedem nun leerstehenden Gebäude bezogen im Jahr 1502 Brüder des Ordens vom Heiligen Grab bei Roermond. Sie widmeten sich der Seelsorge und Krankenpflege. Als 1580 die Pest in Uedem grassierte, kam ihre Hilfe der geplagten Bevölkerung sehr zugute. Um 1600 lebte jedoch nur noch ein Laienbruder im Kloster.

Nach der Zerstörung des Klosters Gnadenthal im Spanisch-Niederländischen Krieg kehrten die Chorherren 1603 wieder nach Uedem zurück. Als das Kloster 1802 im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, lebten darin noch zehn Personen. Nach der Verstaatlichung wurde das Kloster als Domänengut an einen Uedemer Landwirt verkauft. Später erwarb der Sanitätsrat Dr. Paessens das gesamte Gelände.

Armenhof

Die heutige Augustinerstraße hieß bis 1926 zunächst Armensteeg bzw. Armenstraße, da sich hier einst der Armenhof der Stadt Uedem befand. Verwaltet wurde diese Einrichtung, die sich der Bedürftigen annahm, durch einen Provisor. Finanziert wurde sie aus den Erträgen von Stiftungsvermögen, aus Zuwendungen an die Stadtgemeinde und aus Almosen. Ein Direktorium angesehener Bürger beriet über alle Angelegenheiten.

Nach dem großen Stadtbrand von 1685 ließ die Stadt Uedem den Armenhof als eines der ersten Gebäude wiedererrichten.

Im 19. Jahrhundert bestand die Unterstützung der Armen aus der Verteilung von Nahrungsmitteln, hauptsächlich Brot, aus Geldzuwendungen, aus Kleiderspenden und der Übernahme des Schulgeldes der Kinder. Für Not leidende Uedemer gab es kleine Unterkünfte.

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